Das System der georgischen Anthroponyme (Personennamen)
Abstract
Die georgische Anthroponymie ist vielgestaltig und hat sowohl ihre allgemeinen als auch ihre besonderen Merk- male.' 1. Namen-Tabus In einem frithen Stadium der menschlichen Entwicklung wurden Namen nicht als konventionelle Zeichen aufgefaBt, die unabhingig von dem bezeichneten Subjekt existierten, sie wurden vielmehr mit der Seele identifiziert und besaBen mystische Macht. Das komplexe System von Tabus und Verboten ist fiir die Vielzahl von Namen (fiir eine einzelne Person) verantwortlich, die nahezu bis zur Gegenwart bei den Chewsuren, einem Bergstamm im Nordost-Kaukasus, beibehalten wurde. Ehemann und Ehefrau konnten sich zum Beispiel nicht gegenseitig mit Namen anreden. Das Gleiche galt gegeniiber den Eltern und ilteren Verwandten. Man bediente sich daher periphrastischer Ausdriicke, z.B. nannte der Ehemann seine Ehefrau ¢em diac ,,meine Frau“, ¢em zalap ,meine Familie“, diaco ,,Frau“, bebero ,,alte Frau“ usw. Diese Umschreibungen waren besonders iiblich unter Frauen, den Hauptschopfern der periphrastischen Rede, oder, genauer gesagt, unter den Frauen (gema8 der Heiratstradition), die von einer nichtverwandten Sippe stammten.


