Das ,,Glottale Modell“ des Proto-Indogermanischen und die kaukasischen Sprachen
Abstract
Die im vergangenen Jahrhundert begonnene Rekonstruktion des Proto-Indogermanischen (= PIdg.) hat eine erste groBe Bliite mit den Arbeiten der Junggrammatiker, besonders aber mit dem von K.Brugmann und B.Delbriick verfaten ,,Grundri“!, erlebt. Wenn auch im letzten Drittel des 19. Jh. keineswegs Einigkeit tiber alle Einzelheiten der Rekonstruktion des PIdg. herrschte, so war doch die Orientierung am Altindischen als derjenigen idg. Sprache, die die ,,urspriingliche Sprache*? — wie F.Bopp die idg. Grundsprache genannt hatte — ,,vollkommener als die ihr verwandten Sprachen bewahrt“* hatte, nicht in Frage gestellt worden. Andererseits hat es aber auch keine Versuche gegeben, das idg. Rekonstrukt typologisch oder wissenschaftstheoretisch abzusichern, denn bei der bruchlosen wissenschaftsgeschichtlichen Kontinuitiat der Indogermanistik von Bopps Zeiten bis heute stellt sich die inhaltliche Ausgestaltung des Rekonstrukts dar als eine fortschreitende Modifikation des sanskritozentrischen Ausgangspunktes’, der aber als im allgemeinen nicht hinterfragter Fixpunkt stets vorfindlich war.


