Kleinformatige georgische Skulpturen aus frühchristlicher Zeit
Abstract
Unter den frühchristlichen Denkmälern Georgiens und Armeniens nehmen die Stelen eine bedeutende Stellung ein. Sie treten als Kennzeichen dieser Epoche in Erscheinung. Tatsächlich sind weder im Christlichen Orient noch in Byzanz ähnliche Denkmäler bekannt, während in den beiden Kaukasusländern Stelen zum symbolhaften Ausdruck der Einbürgerung des neuen Glaubens wurden. Natürlich drängt sich die Frage auf: Woher soll diese Art Denkmal, die kreuzgekrönte Steinsäule, stammen? Gab es vielleicht unter den realen Ausdrucksformen für die hiesigen Glaubensvorstellungen ein Objekt, das Denkmälern dieser Form zugrunde gelegen haben könnte? In mehreren Gegenden der Alten Welt, darunter auch in den kosmogonischen Vorstellungen, die sich bei Völkern des Nahen Ostens entwickelt hatten, ist im Aufbau der Welt ein großer Platz der Säule eingeräumt, die die Verbindungsachse ihrer drei Teile (Himmel, Welt, Unterwelt) bildet. Sogenannte Drachen oder Drachenartige stellen große behauene Steinsäulen dar, denen man das Antlitz eines phantastischen Fisches gegeben hat. Sie gelten als Schutzgottheiten der Quellen und wurden offenbar auch als Bindeglieder der drei Elemente der Welt betrachtet. Es ist bezeichnend, und L. Melikset-Beg weist darauf hin, daß in späterer Zeit auf manchen »Drachen« dic Umrisse des Kreuzes eingehauen wurden, d. h. daß sie in eine christliche Stele umgewandelt wurden.


