Einige künstlerische und stilistische Charakteristika der georgischen Tafelmalerei im ersten Viertel des 20. Jahrhunderts
Abstract
Trotz ihrer kurzen Geschichte gewann die georgische Tafelmalerei im ersten Viertel des 20. Jhs. in ihrer künstlerischen Problematik und ihrem Niveau parallel zur europäischen und russischen Malerei eine eigene nationale Form. Im Unterschied zu Europa begann man in Georgien erst seit der zweiten Hälfte des 18. Jhs. die Aufgaben der Renaissance zu bewältigen — die Kunst von ihrer religiösen Funktion zu befreien und ihr einen weltlichen Charakter zu verleihen. Damit entstand die Tafelmalerei, deren erste Schritte mit dem Genre des Porträts verknüpft sind. Seit dieser Zeit beobachten wir in der georgischen Tafelmalerei eine äußerste Zuspitzung der Entwicklungsprozesse, eine >»sprunghafte« Entwicklung, die im ersten Viertel des 20. Jhs. ein mannigfaltiges Bild europäischen Kunsteinflusses ergab. Diese Vielfalt war nicht nur dadurch bedingt, daß sich jJeder Maler durch eine sehr ausgeprägte Individualität auszeichnete; vielmehr verfügte der künstlerische Prozeß dieser Periode im Unterschied zu der europäischen Malerei nicht über konsequente Traditionen einer Stilentwicklung. Außerdem wirkten in dieser Zeit sowohl Vertreter der alten Generation, Traditionalisten (mit Ausnahme von M. Toize), als auch jene jungen Künstler, die den Idealen der europäischen Kunst nachstrebten.

