Zur Siülbenstruktur der georgischen Vornamen
Abstract
Aufgrund der Fülle wissenschaftlicher Beschäftigung mit georgischen Anthroponymen gilt dieses Gebiet an sich als gründlich erforscht. Grundlegende Werke zur georgischen Namenkunde sind die Arbeiten Aleksandre Tlontis, Kartveluri sakutari saxelebi, antroponimta leksikoni (1967) und Kartuli leksikologiüs sapuzvliebi (1988). Dagegen weist das in Georgien wohl meistfrequentierte Namenbuch Ra gkvia $en? eher populärwissenschaftlichen Charakter auf. Hinsichtlich der Silbenstruktur ist der Aufsatz Zurab Cumburizes zur Struktur der georgischen Vornamen maßgeblich. Morphologische Kriterien der Bildungsweisen georgischer Vornamen werden neben Tlonti u. a. in den Arbeiten H. Fähnrichs dargestellt. Unter den zahlreichen Arbeiten zu georgischen Fremdnamen hat Mzia AndronikaSvilis Narkvevebi iranul-kartuli enobrivi urtiertobidan (1966) Modellcharakter. Den Aspekt der Motivation georgischer Vornamen beleuchtet der Artikel Sukia Apridonizes Das System der georgischen Anthroponyme (1984), welcher, basierend auf onomastischen Daten der georgischen Bergdialekte Chewsurisch, Pschawisch und Tuschisch, hervorragend in die teilweise fremd anmutende Welt der Gründe für die Auswahl und Vergabe eines Namens einführt. Jedoch stößt man bei der Lektüre dieser grundlegenden Literatur, gerade was die Ausführungen zur Silbenstruktur der georgischen Vornamen betrifft, immer wieder auf eine Frage: Welches Korpus liegt diesen Arbeiten zugrunde? Tlontis Namensammlung ist zwar äußerst umfangreich, jedoch in in ihrer Zusammenstellung recht willkürlich. Und ebenso wie die Korpusgrundlage Cumburi3es (1977) spiegelt sie weder eine aktuelle Vornamensituation Georgiens wider noch unterscheidet sie zwischen kartwelischem Namengut und Xenonymen. Doch gerade bei der Darlegung der Struktur kartwelischer Namen sollte dem hohen Anteil an aus fremden onomastischen Systemen entliehenem Namengut Rechnung getragen werden und eine Differenzierung zwischen fremden und einheimischen Namen unbedingt erfolgen. An dieser Stelle bietet sich eine Namensammlung neueren Datums an, welche sich im Laufe statistischer Erhebungen während der neunziger Jahre als äußerst nützliches "Randprodukt" ergab . Es handelt sich um die Arbeit Avtandil Silagazes und Anzor Totazes, die 1997 unter dem Titel Gvarsaxelebi sakartvelosi herausgegeben wurde. Man gelangte zu einem Bestand von 2570 georgischen Vornamen, die jeweils mit der Mengenangabe der Verwendung des Namens in Georgien insgesamt und den drei Orten mit dem höchsten Vorkommen dieses Namens (ebenfalls mit Mengenangabe für jeden Ort) erfolgt. Das Kriterium für die Aufnahme eines Vornamens in die Statistik ist der Nachweis des Namens auf georgischem Gebiet mit einer Verwendung von über 50-mal. Dieses Kriterium (begründet durch den ansonsten übermäßig hohen Arbeitsaufwand hat zur Folge, daß erstens die Gesamtzahl der ermittelten Namensträger (4 647 753) nicht mit der realen Bevölkerungszahl (ca. 5,1 Mio.) übereinstimmt und zweitens zahlreiche kartwelische Vornamen, beispielsweise einige Bildungen aus finiten Verbformen: argelodi "Ich habe dich nicht erwartet"” oder minda "Ich will ihn/sie" (23), deren Verwendungstendenz heutzutage rückläufig ist , nicht erfaßt wurden. Trotzdem ergibt das dargestellte Namenmaterial, selbst im Bewußtsein besagter Einschränkungen, ein bis heute in diesem Umfang noch nicht existierendes realitätsnahes Korpus. Es gilt demzufolge, bisher aufgestellte Theorien bezüglich der georgischen Namenstruktur an diesem nicht-will-kürlichen und deutlich abgegrenzten Korpus auf ihre Anwendbarkeit zu prüfen.


