Wer war der Erste? Zur Geschichte der frühen Elbrus-Besteigungen
Abstract
Im Elbrus, den die am Fuße des Berges lebenden turkstämmigen Balkaren und Karatschaier Mingi-tau und die weiter nördlich beheimateten autochthonen Kabarden Aschchamacho nennen, besitzt der Kaukasus seine höchste Erhebung. Der gewaltige eisgepanzerte Vulkankegel mit dem nahezu symmetrischen Doppelgipfel (Westgipfel 5642 m, Ostgipfel 5621 m, Sattel 5376 m) liegt gut 10 km nördlich des kaukasischen Hauptkammes in der Seitenkette des zentralen Gebirges und ganz im Südwesten der rußländischen Republik Kabardo-Balkarien. Sein kristallines Fundament überragen nicht weniger als 2000 m vulkanische Ablagerungen, so daß sich der Bergriese nicht nur durch die runden Vulkanformen, sondern auch in der Höhe deutlich von den ihn umgebenden schroffen Felsgipfeln abhebt und seine majestätische Eiskalotte zu beiden Seiten des Kaukasus weithin sichtbar thront. Nicht umsonst gab der Berg Veranlassung zu zahlreichen Sagen und Legenden im Volksmund, und so wie er der Phantasie der Menschen allzeit Nahrung gab, haben sie sich auch schon früh mit der Möglichkeit seiner Besteigung beschäftigt. Wie in den Alpen wurde der höchste Berg des Gebirges nicht etwa als letzter bestiegen, sondern als einer der allerersten. Den Westgipfel und damit den höchsten Punkt des Elbrus erreichten über die Südosthänge des Berges und den Elbrussattel am 28. Juli 1874 erstmals die Engländer Florence Craufurd Grove, Horace Walker, Frederick Gardinger und ihr Schweizer Führer Peter Knubel.


