Islamische Reformbewegungen in der Zentralkaukausischen Region (18. bis Anfang des 19. Jahrhunderts)
Abstract
In den vergangenen 250 Jahren wurde der Nordkaukasus mehrfach zum Zentrum islamischer Bewegungen, die in den Bergregionen mit ihren sozialen Lebensberei-chen radikale Reformen gewaltigen Ausmaßes anzustoßen versuchten. Dieser Prozess ist bis heute noch nicht abgeschlossen. In den nordkaukasischen Republiken bzw. in einigen Regionen Russlands vollzieht sich ein Prozess der Islamisierung, genauer gesagt der Schariarisierung (also die Verankerung der rechtlichen, moralischen und ethischen Normen der islamischen Religion in der Gesellschaft und die Verinnerlichung dieser Werte im Bewusstsein der Menschen). Dieser Prozess ist ambivalent und führt oft zu Konfliktsituationen. Dabei handelt es sich nicht nur um Konflikte zwischen den radikal eingestellten Vertretern der Muslime dieser Bergregionen und den staatlichen Strukturen Russlands. Die Situation ist viel komplizierter. Die Konfliktlinie verläuft zwischen denjenigen, die einen weltlichen Weg der Gesellschaft vertreten und denen, die eine religiös ausgerichtete Entwicklung anstreben. Im Nordkaukasus stehen sich die Vertreter dieser zwei Bewegungen häufig äußerst kompromisslos gegenüber. Oft kommt es dabei zu direkten Auseinandersetzungen.


