Robert Bleichsteiners »Kaukasische Forschungen«
Abstract
»Es ist ein prächtiges Material vereinigt, welches man beisammen hat, ohne umständliche und zeitraubende Reisen zur Aufsuchung desselben machen zu müssen, und welches man in aller Muße, ohne daß es einem davongeht, wiederholt ausfragen kann.« (Virchow 1916 :389) Das Material, von dem hier gesprochen wird, sind Kriegsgefangenec. Im Ersten Weltkrieg war das russische Heer multiethnisch; neben Russen, Ukrainern, Tataren, Kirgisen u. a. fand sich hier eine beträchtliche Anzahl Kaukasicr, von denen viele in deutsche oder österreichische Kriegsgefangenschaft gerieten. Diese Situation wurde von vielen Vertretern der Wissenschaften in Deutschland und Österreich als Glücksfall verstanden: Angehörige der Völker, deren Kultur und Sprache sie studierten, befanden sich nunmehr sozusagen vor der Haustür. Aufwendige Reisen zu ihrer Erforschung waren nicht mehr nötig.


